Sternenweg/chemin des étoiles

Sternenweg in Dörrenbach

Unter diesem Titel wurde 2006 ein europäisches Modellprojekt zur behutsamen Inwertsetzung der europäischen Wege der Jakobspilger in Teilen des Saarlandes, der Pfalz, Lothringens und des Elsass ins Leben gerufen. Im Zentrum stehen „Wegezeichen“, insbesondere steinerne Jakobsmuscheln, mit denen die mittelalterliche Kunst und Baukultur entlang der regionalen Wege der Jakobspilger in den benachbarten alten Kulturlandschaften geschmückt wurden. Gehen Sie auf Spurensuche und entdecken Sie auf einer Pilgeretappe in Dörrenbach und Umgebung den Geist einer europäischen Kulturstraße in der Gegenwart!

Sternenweg in Dörrenbach

Ein Modellprojekt entlang der europäischen Wege der Jakobspilger setzt [Wege-]Zeichen!
An Pfingsten 2016 wurde die mittelalterliche Kirche St. Martin in Dörrenbach mit einem Jakobsmuschelstein geschmückt.

Sternenweg in Dörrenbach

Hintergrund

Im Mittelalter orientierten sich die Jakobspilger in Richtung Santiago de Compostela mitunter an der feinen Sternenspur der Milchstraße am nächtlichen Firmament. Das europäische Modellprojekt „Sternenweg/Chemin des étoiles“ nimmt symbolisch Bezug auf diesen kosmischen „Wegweiser“ und versteht sich als großregionaler Beitrag zur behutsamen Inwertsetzung der Wege der Jakobspilger in Teilen des Saarlandes, der Pfalz, Lothringens und des Elsass.

Die Wege der Jakobspilger, die seit 1000 Jahren quer durch Europa eine kollektive Spur der Pilgerschaft zum Grab des Apostels Jakobus ziehen, zählen kulturgeschichtlich zu den geistigen Ursprüngen Europas. Das Wegenetz spiegelt in hohem Maße den Austausch und die freundschaftliche Begegnung der Kulturen, die das grenzenlose Unterwegssein zu einem „großen Ziel“ mit sich bringt.

 

Mit dieser Intention wurde die Idee „Sternenweg/Chemin des étoiles“ im Jahre 2006 als Modell und Erfahrungsraum für ein inspirierendes und schöpferisches Unterwegssein und ein werteorientiertes europäisches Miteinander vom Regionalverband Saarbrücken ins Leben gerufen.

Entlang der verschiedenen Routen der Jakobspilger im oben dargestellten Projektraum werden Zeugnisse der mittelalterlichen Baukultur erfasst und sukzessive mit einer steinernen Jakobsmuschel und einer Hinweistafel geschmückt. Annähernd 300 erfasste Positionen dieser Kleinode ziehen heute eine Spur jener Pilger, die im Mittelalter ihre Wege durch diese facettenreichen Landschaften gesucht haben. In der Gegenwart laden diese Wegezeichen zur Spurensuche, gelegentlich auch abseits markierter Wege, ein. Die Strategie gleicht dem Wesen der Akkupunktur und liefert ein einfaches Modell, wie sich in der Gegenwart benachbarte Regionen und Kommunen auf der Basis kulturgeschichtlicher Ankerpunkte mit „kleinen Gesten“ in einem europäischen und gleichfalls spirituellen Kontext begreifen und vernetzen lassen. Eine zugehörige zweisprachige Internetseite erlaubt das Navigieren über das Wegenetz sowie zu den mittelalterlichen Bezugspunkten und liefert gleichfalls wichtige Informationen zum Pilgern.

Über alle „Kirchtürme“ hinweg geht es darum diese mehr als 1000-jährige europäische Kulturstraße, deren Wegenetz unter der Milchstraße auch als geistiges Weltkulturerbe geschützt ist, behutsam aufzuwerten und ihre kulturhistorischen Bezugspunkte im Projektraum zu verbinden.

„Unter dem Motto: Pilgerwandern - Innehalten - Entdecken - neue Wege gehen - Frieden stiften, werben wir mit dem Pilgern auf dem Sternenweg für ein weltoffenes, vereintes Europa: Ein Europa der Toleranz, der Humanität, der Freiheit, der Demokratie und letztlich für den Frieden. Eine bessere Welt ist möglich, gehen wir voran! Der Regionalverband Saarbrücken wird dabei grenzüberschreitend von vielen Partnern unterstützt, insbesondere von den Kommunen und Landkreisen am Wegesrand, der St. Jakobusgesellschaft Rheinland-Pfalz-Saarland e. V., aber auch von vielen privaten, kirchlichen und touristischen Partnern. Dieses Miteinander macht Mut, weiter zu gehen und alte Strukturen und Begrenzungen zu überwinden“, so der Initiator des Projektes Peter Michael Lupp vom Regionalverband Saarbrücken.

 

Sternenweg in Dörrenbach

Dörrenbach liegt an einem Teilstück der Wege der Jakobspilger in der Pfalz, das in Bad Bergzabern in Richtung Wissembourg, Strasbourg abzweigt. Dieser Abschnitt gehört ebenfalls zum Einzugsbereich der sogenannten „Haardt-Achse“:

Ausschnitt aus dem Projektraum, sog. „Haardt-Achse“

Sternenweg in Dörrenbach

[Hinweis zur „Haardt-Achse“: Vieles spricht dafür, dass eine Alternative der mittelalterlichen Wegeachsen der Jakobspilger aus Richtung Worms auch wohl entlang des Randes der Haardt über Bad Dürkheim – Neustadt – Edenkoben – Landau – Klingenmünster – Bad Bergzabern, Wissembourg (Elsass) in Richtung Strasbourg (Elsass) verlief. Eine relativ große Anzahl von Zeugnissen der mittelalterlichen Baukultur, darunter auch bedeutende Klöster, markiert hier bis in die Gegenwart eine imaginäre Verbindungsachse, die jedoch bislang noch nicht offiziell ausgewiesen und markiert ist. Innerhalb des Projektraumes „Sternenweg/Chemin des étoiles“ wurden daher auch – entlang des „Haardt-Gebirges“ – zwischen der offiziellen Pfalz | Südroute und Pfalz | Nordroute mittelalterliche Kulturdenkmäler erfasst.]

Dazu gehört u.a. auch die Kirche St. Martin in Dörrenbach:
Der Jakobsmuschelstein an der Simultankirche St. Martin in Dörrenbach, Chorturm (um 1300). Die Kirche wurde Anfang des 14. Jh.s als Wehrkirche, die ursprünglich Bestandteil einer Dorfbefestigungsanlage war, errichtet. Davon hat sich der Chorturm erhalten. Zu Beginn des 16. Jh.s erhält der Turm die oberen Geschosse und ein neues Langhaus. Mit dem umgebenden Wehrfriedhof handelt es sich um die einzige erhaltene Wehrkirche in der Pfalz. Heute wird sie als Simultankirche genutzt. Die Sakristei wurde bereits im frühen 15. Jh. angebaut. Reste von Wandmalereien aus dem 14./15. Jh. haben sich im Inneren der Kirche erhalten. Die Kirchenglocke datiert in das Jahr 1330 und ist damit die älteste der Pfalz. Im runden Treppenturm befindet sich ein Lichterker in dem einst die Totenleuchte stand. 1460 wurde der Ort belagert, eingenommen und die Verteidigungsanlagen abgebrochen.

Zum Gemeindebezirk von Dörrenbach gehört auch ein bedeutendes Pilgerziel der Region, die Wallfahrtskapelle am Kolmerberg. Die Kapelle liegt mitten im Wald, nördlich des Ortes gelegen und war im Mittelalter ein Ort für Einsiedler. Der Chorbogen des Bauwerks aus dem 18. Jh. zeigt noch Spuren aus dem Vorgängerbau des 15. Jh.s.

„Dörrenbach und seine außergewöhnliche mittelalterliche Dorfkirche waren schon immer auch ein Ziel für Pilger. Dies wird nun durch das Modellprojekt „Sternenweg/Chemin des étoiles“ noch einmal besonders verdeutlicht und Dörrenbach als Mosaikstein auf den Wegen der Jakobspilger in der Großregion erkennbar gemacht! Vom Ausgangspunkt der Martinskirche lassen sich herrliche Pilgertouren zu weiteren Zeugnissen mittelalterlicher Baukultur in der Umgebung auf dem „Sternenweg“ planen. Etwa nach Bad Bergzabern mit seinen fünf Positionen oder zur Burgruine Gutenberg und weiter nach Oberotterbach zur protestantischen Pfarrkirche mit ihrem Chorturm aus dem 12. Jh.“, so Ortsbürgermeister Reinhard Pelz.

Vor Ort in Dörrenbach haben sich neben dem Ortsbürgermeister auch Pfarrerin Margret Lingenfelder als „Paten“ für den Jakobsmuschelstein an der mittelalterlichen Dorfkirche als weiteres Wegezeichen im Projektraum engagiert. In Zusammenarbeit mit Karl Unold von der St. Jakobus-Gesellschaft Rheinland-Pfalz-Saarland e.V. und dem Initiator des Modellprojektes, Peter Michael Lupp vom Regionalverband Saarbrücken, konnten der Jakobsmuschelstein und ein zugehöriges Hinweisschild vor Ort seinen Platz erhalten.

 

Weitere Informationen

Mehr Infos finden Sie auf der offiziellen Website Sternenweg

     

 

 

Sternenweg in Dörrenbach